Wie beeinflussen Daumenlutschen und Schnuller die Zahnentwicklung?

Expertenmeinungen

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Daumenlutschen und der Schnullergebrauch gehören zu den natürlichsten Reflexen von Babys. Der Saugreflex beginnt bereits im Mutterleib und schenkt dem Baby Geborgenheit, Beruhigung und Hilfe beim Einschlafen. Wenn diese Gewohnheiten jedoch über ein bestimmtes Alter hinaus anhalten, können sie die Zahnentwicklung und die Kieferstruktur negativ beeinflussen. Die Kinderzahnärztin Dr. Begüm Gök Çoban erklärt alles, was Eltern zu diesem Thema wissen müssen.

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Wir haben mit der Kinderzahnärztin Dr. Begüm Gök Çoban über die Auswirkungen von Daumenlutschen und Schnullergebrauch auf die Zahnentwicklung gesprochen.

Über unsere Expertin

Dr. Begüm Gök Çoban schloss ihr Studium an der Zahnmedizinischen Fakultät der Universität Ankara ab und promovierte anschließend im Bereich der Kinderzahnheilkunde (Pedodontie) an der Süleyman Demirel Universität. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie die Wirksamkeit von Pflanzenextrakten bei der Vorbeugung von oralem Biofilm bei Kindern. Derzeit arbeitet sie als Kinderzahnärztin in der MedicaDent Mund- und Zahngesundheitsklinik.

Was ist der Saugreflex und warum ist er so wichtig?

Der Saugreflex ist einer der grundlegendsten, angeborenen Reflexe von Babys. Neben der Nahrungsaufnahme schenkt er dem Baby psychologische Beruhigung und ein Gefühl der Sicherheit. In den ersten Monaten ist das Daumenlutschen oder die Nutzung eines Schnullers völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Problematisch wird es erst, wenn diese Gewohnheiten über ein bestimmtes Alter hinaus fortbestehen. Langfristiges und intensives Saugen kann die Entwicklung von Kiefer und Zähnen dauerhaft beeinträchtigen.

Wie beeinflusst Daumenlutschen die Zahnentwicklung?

Langfristiges Daumenlutschen – insbesondere das Lutschen am Daumen – kann zu verschiedenen kieferorthopädischen Problemen führen:

Offener Biss (open bite): Die Frontzähne schließen nicht richtig, sodass eine Lücke zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen entsteht. Dies kann das Abbeißen und die Sprachentwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Schmalkiefer im Oberkiefer: Der ständige Saugdruck kann den Oberkiefer verengen und dazu führen, dass sich die oberen Seitenzähne nach innen neigen. Dies kann zu komplexeren Problemen wie einem Kreuzbiss führen.

Hervorstehen der oberen Schneidezähne: Der Druck des Daumens kann dazu führen, dass die oberen Frontzähne weiter nach vorne ragen als normal.

Veränderung der Gaumenform: Lang anhaltendes Saugen kann dazu führen, dass der Gaumen höher und schmaler wird (sogenannter Gotischer Gaumen).

Schnuller oder Daumen? Was ist weniger schädlich?

Beide Gewohnheiten können bei zu langer Dauer die Zahnentwicklung stören. Experten weisen jedoch darauf hin, dass der Schnuller im Vergleich zum Daumenlutschen einige Vorteile bietet:

Der Schnuller ist kontrollierbar – bei der Entwöhnung kann man den Schnuller schrittweise weglassen. Der Daumen hingegen ist für das Baby immer verfügbar.

Der Schnuller übt weniger Druck aus – anatomisch geformte Schnuller sind so gestaltet, dass sie im Vergleich zum Daumenlutschen weniger Druck auf die Kieferstruktur ausüben.

Dennoch kann auch eine langfristige Schnullernutzung zu ähnlichen kieferorthopädischen Problemen führen. Entscheidend ist, dass die Gewohnheit rechtzeitig abgewöhnt wird.

Wann sollte man aufhören?

Experten empfehlen im Allgemeinen, diese Gewohnheiten im Alter von 2 bis 3 Jahren zu beenden. Wenn das Daumenlutschen oder der Schnullergebrauch nach dem 3. Lebensjahr fortgesetzt wird, besteht das Risiko dauerhafter Schäden an Zähnen und Kieferstruktur.

Der Entwöhnungsprozess sollte schrittweise erfolgen. Ein plötzlicher Entzug kann beim Kind Stress und Widerstand auslösen. Beginnen Sie stattdessen damit, die Nutzung tagsüber zu reduzieren, beschränken Sie sie auf die Einschlafzeit und streben Sie im Laufe der Zeit eine vollständige Entwöhnung an.

Tipps für eine sanfte Entwöhnung

Nutzen Sie positive Bestärkung: Loben und belohnen Sie Ihr Kind, wenn es nicht am Daumen lutscht oder nach dem Schnuller verlangt. Bestrafungen oder Schimpfen bewirken meist das Gegenteil.

Auslöser erkennen: In welchen Situationen lutscht Ihr Kind am Daumen? Langeweile, Stress, Müdigkeit – wenn Sie den Auslöser kennen, können Sie alternative Beruhigungsmöglichkeiten anbieten.

Ablenkung bieten: Bieten Sie Aktivitäten an, bei denen die Hände Ihres Kindes beschäftigt sind – wie Malen, Kneten oder Spielen mit Bausteinen.

Zahnarzt um Rat fragen: Wenn die Gewohnheit nach dem 3. Lebensjahr fortbesteht, suchen Sie den Rat eines Kinderzahnarztes. Bei Bedarf können spezielle Mundvorhofplatten (Mundschutzgeräte) verwendet werden.

Zahnpflege in dieser Phase

Bei Kindern, die am Daumen lutschen oder einen Schnuller benutzen, ist die Mundpflege besonders wichtig. Da das Saugen die Zahnstellung verändern kann, wird auch die Reinigung erschwert. Eine regelmäßige Zahnputzroutine ist in dieser Phase umso wichtiger.

Bei der Wahl der Zahnpasta sollten altersgerechte, natürliche Rezepturen mit niedrigem RDA-Wert gewählt werden, die auch beim Verschlucken sicher sind. Smileyes Kids Zahnpasten schützen die empfindliche Schmelzstruktur von Kindern mit speziell für jede Altersgruppe formulierten RDA-Werten (0-3 Jahre: RDA 12, 3-6 Jahre: RDA 27).

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Häufig gestellte Fragen

Ab wann wird Daumenlutschen zum Problem? Bis zum Alter von 2 bis 3 Jahren ist Daumenlutschen völlig normal. Wenn es nach dem 3. Lebensjahr anhält, kann es die Zahn- und Kieferentwicklung negativ beeinflussen. In diesem Fall wird empfohlen, einen Kinderzahnarzt aufzusuchen.

Ist ein Schnuller oder Daumenlutschen schädlicher? Beides kann schädlich sein, wenn es zu lange fortgesetzt wird. Der Schnuller bietet jedoch den Vorteil, dass er kontrollierbar ist, was die Entwöhnung erleichtert.

Verursacht Daumenlutschen bleibende Schäden an den Zähnen? Wenn die Gewohnheit vor dem 3. Lebensjahr abgelegt wird, regulieren sich Zahn- und Kieferstellung meist von selbst. Bei einer späteren Entwöhnung kann eine kieferorthopädische Behandlung erforderlich sein.

Mein Kind gibt den Schnuller nicht her, was soll ich tun? Gehen Sie schrittweise vor. Reduzieren Sie den Schnullergebrauch zuerst tagsüber und beschränken Sie ihn nur noch auf die Einschlafzeit. Nutzen Sie positive Bestärkung und lenken Sie Ihr Kind ab. Wenden Sie sich bei Bedarf an Ihren Kinderzahnarzt.

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